Ja, es ist mal wieder an der Zeit ein bisschen an einem Spiel rumzumeckern. Zwar mit keinerlei böser Absicht, aber irgendwie juckt es mich in den Fingern, endlich mal etwas über Schlacht um Mittelerde 2 schreiben. Warum? Naja… weil mich so einiges daran ziemlich aufregt.
Erst einmal fangen wir doch mit der Beschreibung von besagtem Game an.
Schlacht um Mittelerde 2 ist ein Echtzeitstrategiespiel mit Basenbau. Wie der Name schon sagt, befasst es sich mit der Thematik aus den Tolkien-Romanen und natürlich ist dies auch schon der zweite Teil. Es stehen folgende Spielmodi zur Verfügung: Schnelle Schlachten, Kampagne, Ringkrieg und natürlich den Mehrspielermodus, insbesondere online (doch dazu später mehr). Zur Auswahl stehen allgemein sechs Völker: Elben, Menschen, Zwerge, Isengart, Mordor und die (wilden) Orks.
Und hier setzt auch schon mein erster Kritikpunkt an: jedes Spiel sollte was die Völker angeht, balanced sein. Nun, das ist hier einfach nicht der Fall. Was bei Warcraft 3 mit Bravour geschafft wurde, hat hier einfach nicht hingehauen. Nur ein Beispiel: Elben. Die Düsterwaldbogenschützen können mit dem Upgrade Silberdornpfeile aufgerüstet werden. Zusammen mit der riesigen Reichweite genannter Einheiten sinkt die Übelebensdauer von Helden auf zehn und die von Einheiten auf 0 Sekunden. Man stelle sich nur vor was passiert, wenn der gegnerische Spieler nur Einheiten dieser Sorte kauft (was manche leider auch wirklich tun. Aber natürlich sind die Elben nicht die Mächtigsten. Nein! Getoppt werden so ziemlich alle Völker von den Zwergen. Diese haben die nette Eigenschaft, Horden von Kriegern auszubilden, welche man alle mit riesigen Hämmern upgraden kann und die dann die gegnerische oder (schlimmerweise) die eigene Base in wenigen Augenblicken zu Sägemehl und Steinstaub verarbeiten. Aber damit nicht genug – um diesem kleinwüchsigen Völkchen noch mehr Macht zu verleihen, dürfen die Zwerge ihre Festung mit einem süßen kleinen Monstergeschütz ausrüsten, das nahezu die ganze Karte mit großen brennenden Steinchen bombardieren kann. Netterweise haben die Zwergenhelden ähnliche Fähigkeiten… am besten (ich bin in diesem Artikel äußerst ironisch) finde ich den Skill, mit dem die kleinen bärtigen Männer den Boden mit einem Hammerschlag erzittern lassen und somit eine ganze Armee ausschalten können.

Spätestens jetzt wird’s unfair – Zwergenkatapulte mit Feuerschuss
Solche brutalen Flächenschaden hat aber so ziemlich jedes Volk bei Bfme2. Drachen beschwören, die alles abfackeln was vor ihre Napalmdrüsen gerät, Meteoriteneinschläge, Sonnenstrahlen die ganze Landstriche samt den Einheiten anzünden (es ist schon ärgerlich, wenn auf einen Schlag die gesamte mühsam zusammengesparte Armee brennend, kreischend und sterbend herumrennt), Pfeilhagelattacken (mit einer Reichweite von mehreren Kilometern – man kann zwar mit einem Bogen bis zu 900 Meter schießen, aber auch keine Wunder vollbringen) und noch andere grausige Spezialfähigkeiten.

Alles Schlechte kommt von oben – ein elbischer Pfeilhagel
Diese ganzen Sachen gab es in Schlacht um Mittelerde 1 noch nicht. Dort war es auch noch nicht möglich alles mit Türmen zuzubauen, um ein Durchkommen so gut wie unmöglich zu machen. Das lag ganz einfach daran, dass man nicht einfach überall hinbauen konnte. Man musste erst bestimmte Punkte erobern oder konnte nur in der eigenen Base bauen. Auch war die Kommandeurspunktezahl noch begrenzt und nicht unendlich vergrößerbar wie hier. Helden waren auch noch normalsterblich und nicht unsterblich. Und wenn ich hier von unsterblich spreche, dann meine ich das auch.

Etwas sehr nerviges – eine Tower-Mauer – da hilft nur schweres Belagerungsgerät
Denn damit bin ich auch schon beim nächsten Punkt: Eine weitere Neuerung, die durch Schlacht um Mittelerde 2 reinkam, war die Erstellung von selbst gemachten Helden. So kann man sich zum Beispiel einen Zwerg, einen Zauberer, eine Elbenbogenschützin, einen Heermeister usw. nach Lust und Laune gestalten, indem man sich Aussehen, Fähigkeiten und Attributwerteverteilung aussucht. Klingt ja eigentlich ganz nett. Aber hier gibt es wieder mal ein Problem. Einen Glitch! Hier beziehe ich mich allerdings nicht auf einen Grafik-Bug (auch wenn es davon manchmal auch ein paar gibt), sondern auf die Fehler beim selbst gemachten Helden. Im Online-Spiel nutzen manche Spieler diesen Bug, um ihren Helden die Fähigkeit zu verleihen, sich jederzeit zu heilen. Cooldown wird hier einfach ignoriert, das gibt es einfach gar nicht. Dann gibt es manchmal auch so lustige Szenarios, wenn ein normaler Schwertkrieger plötzlich die halbe Armee mit einem Feuerball in die Luft bläst. Bei mir waren da Frusterscheinungen wie das Beißen in die Tastatur oder das Kopf-gegen-die-Wand-Hauen keine Seltenheit.
Zum Glück gibt es gegen diese Glitch-User eine einfache Lösung: einfach nicht mit ihnen spielen. Man kann nämlich zu Anfang eines Matches festlegen, ob man mit/ohne selbst erstellte Helden spielt, den Ring einsetzten darf, usw.

Auch die Geschosse von Verbündeten können meine Ents anzünden, wie ich hier schmerzlich erfahren musste
So macht das Spiel jedenfalls wieder einigermaßen Spaß… auch wenn man sich wegen der schlechten Balance des Spiels so manches Mal aufregen möchte.
Man kann allerdings nicht sagen, dass das Spiel schlecht ist. Es hat auch seine lichten Seiten. Die Möglichkeit, nun auch mal die anderen Völker (Elben und Zwerge) spielen zu können, ist doch sehr interessant, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Gondor und Rohan nicht in ein Volk gepackt werden. Die Idee mit dem Ring, den man sich von dem auf der ganzen Karte herumstreunenden Gollum holen kann, finde ich auch sehr originell. Und im Grunde war das Heldenbauen ja eine super Idee – wenn sie nicht von manchen Spielern so missbraucht werden würde.
So ziehe ich wie immer hier mein Fazit:
Die Schlacht um Mittelerde 2 ist ein relativ gewagter Versuch, das geniale Vorgänger-Spiel in die zweite Runde zu werfen. In einigen Punkten, vor allem eben der Balance (die auch mit dem Patch nicht besser geworden ist), sind die Macher ziemlich gescheitert, vom Design her ist das ganze aber doch ganz schön fürs Auge, wenn man nicht unbedingt an ein Crisis-Niveau gewöhnt ist. Zudem ist dieses Game sehr einsteigerfreundlich – man braucht meist wirklich kein großes taktisches Vorwissen - und für die Herr-der-Ringe-Fans sind doch so einige Geheimnisse zu entdecken (zum Beispiel kann man alle elbischen Begriffe übersetzen). Die Musik ist wieder mal sehr schön, eben die tolle Filmmusik von Howard Shore und sie trägt zu der klassischen Herr-der-Ringe-Atmosphäre bei. Man hätte das ganze also eigentlich wieder zurechtbiegen können, wenn sich EA nicht taub gegenüber Beschwerden seitens der Online-Spieler stellen würde.
Auf einer Skala von eins bis zehn würde ich diesem Spiel eine sechs-bis-sieben geben, nach Abwägung von Vor- und Nachteilen. Und ich bin noch immer der Meinung dass Schlacht um Mittelerde 1 besser war und ist. Leider wurde aber der Online-Dienst eingestellt.
Nun seid ihr gefragt:
Was hat euch nicht an BfME2 gefallen?
Oder gerade warum gefällt euch das Spiel?
Fandet ihr das BfME1 auch besser?
Spielt ihr auch online und habt die selben Erfahrungen gemacht?